Über Uber und das Uber-Übel

Heute haben über Mittag gefühlt hunderte von Taxis die Zürcher Innenstadt blockiert, indem sie in einer gewaltigen Kolonne durch die Strassen zogen. Miterlebt habe ich das selber direkt am Central, wo verkehrstechnisch für einige Zeit gar nichts mehr ging. Demonstriert haben sie gegen Uber und gefordert wurde mittels orangem Plakat auf allen Fahrzeugen ein schweizweites Verbot der Uber-App.

In meinen Augen ein reichlich kurzsichtiges Denken. Uber erfüllt insbesondere mit der hauseigenen App ein grosses Bedürfnis der städtischen Einwohnerinnen und Einwohner. Man kann einfach via App von jedem Ort aus einen Transport abrufen, schon vor dem Bestellen den gewünschten Zielort auswählen und sich darauf basierend den ungefähren, vergleichsweise günstigen Preis vorkalkulieren lassen. Das Ganze mit aktuellen Karteninfos a la Google Maps.

Taxi-Demo gegen Uber am Zürcher Central

Taxi-Demo gegen Uber am Zürcher Central

Im Grunde genommen eine gute Sache, kämen nicht schlechte Bezahlung und unterqualifiziertes Personal ins Spiel. Nebst dem “normalen” Uber X und dem luxuriösen Uber Black gibt es nämlich auch noch Uber Pop. Bei Uber X und Black fahren zumeist normale TaxifahrerInnen mit Lizenz zum berufsmässigen Personentransport, die zu Uhrzeiten mit wenig Ausbeute lieber etwas günstiger fahren, anstatt leer an einem Taxi-Hotspot zu stehen. Beim nochmals deutlich günstigeren Uber Pop kann sich hingegen jede Privatperson ihre Dienste anbieten, die einigermassen Autofahren kann. Fährt eine solche Person gewerblich Privatpersonen durch die Gegend, gerät sie reichlich schnell mit dem Bundesgesetzt über die Personenbeförderung in Konflikt.

Das wird insbesondere dann gefährlich, wenn etwa ein Uber Pop Fahrer einen Unfall verursacht. Nimmt der Fahrgast schaden, wird die Privathaftpflicht den Fahrer höchstwahrscheinlich in Regress nehmen und der Fahrgast bliebe unter Umständen auf den Folgekosten des Unfalls sitzen. Mehr Fahrten bedeuten auch eine höhere Unfallwahrscheinlichkeit und müssen dementsprechend anders versichert werden. Man sollte sich also zweimal überlegen, ob man dieses Risiko im Gegenzug für ein bisschen Preisnachlass in Kauf nehmen möchte.

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Taxi-Demo gegen Uber am Zürcher Central

Auf die Nutzung von Uber Pop verzichte ich deshalb voll und ganz. Uber X hinegen nutze ich sehr rege. Und das nicht nur, weil es günstiger ist. In den vergangenen 12 Monaten endete praktisch jede Fahrt mit einem regulären Taxi damit, dass mich der Fahrer mit hirnrissigen Erklärungen auf Irrwegen an mein Ziel zu fahren versuchte. Bei Uber hingegen gibt die App den schnellsten Weg vor, sofern man vor der Bestellung das Ziel angegeben hat. Und meistens liegt die App damit richtig.

Viele Taxifahrer und -fahrerinnen haben sich mit Uber arrangiert und nutzen es als Möglichkeit, Leerfahrten und lange Stehzeiten zu vermeiden. Anstatt nun also ein illusorisches Verbot der Uber-App zu fordern und damit lediglich für Sarkasmus und wütende Pendler zu sorgen, sollten sie weiter denken: In Berlin gibt es in der Uber-App beispielsweise keine Unterscheidung zwischen Uber Pop, X oder Black. Dort lässt sich mit der App einfach nur ein übliches Taxi bestellen. Zum üblichen Taxi-Preis, dem üblichen Taxi-Fahrer, aber mit dem Komfort der Uber-App und der damit verbundenen Sicherheit, nicht übers Ohr gehauen zu werden. Das wäre immerhin eine Forderung, welche nicht vollends am Kunden vorbei geht.

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