Straight outta Europe

Die Bevölkerung hat mit 51.9% Mehrheit entschieden. Der Brexit ist beschlossene Sache. Das Vereinigte Königreich verlässt die Europäische Union und David Cameron seinen Posten als Premierminister. Das Chaos ist perfekt.

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Erste Resultate aus den Anfangsstunden der Auszählung

Im Vorfeld wurde viel spekuliert und diskutiert, grundsätzlich aber mit einem Verbleib in der EU gerechnet. Auch vom Anschlag auf die Labour-Abgeordnete Jo Cox dachte man, er würde die Leute eher  zu einem Verbleib in der EU umstimmen. Abgesehen von Verschwörungstheoretikern natürlich, die wie üblich auch hier eine False-Flag-Action aus den Reihen der EU witterten. Selbst am Vorabend standen die Zeichen auf einen Verbleib in der EU. Vielleicht war es aber auch genau diese in den Medien verbreitete Ansicht, welche die Unterstüter des Referendums soweit motivierte, dass sie sich letzten Endes durchsetzen konnten. Bereits nach den ersten Auszählungen wurde nämlich klar: Die ausgezählten Regionen stimmten zwar tendentiell erwartungsgemäss, jedoch um den entscheidenden Anteil weniger deutlich in die erwartete Richtung als prognostiziert.

Die Medien freuts natürlich. Mit diesem Ereignis lässt sich das Sommerloch den ganzen Sommer hindurch bestens stopfen. Dementsprechend überschlagzeilen sich die Berichterstatter derzeit mit einem Artikel nach dem anderen. Sinngemäss bedeutet der Brexit offenbar das Ende der Europäischen Union, das Ende unserer Wirtschaft, das Ende des Wohlstands und natürlich auch das Ende Grossbritanniens. Ob man das nun glaubt oder nicht: Mit Gewissheit sagen lässt sich schon jetzt, dass die Rechnung letzten Endes einmal mehr das einfache Volk bezahlen wird.

straight-outa-europaAber im Bezahlen haben wir langsam eine gewisse Routine entwickelt. Wir bezahlen für die von einer Immobilienblase ausgelösten Weltwirtschaftskrise, für die Eurokrise, für die Auswirkungen der geopolitisch motivierten Kriegstreiberei gewisser Staaten und wenn es nach der EU geht, sollen wir dank TTIP demnächst auch für die massiv schlechtere Standards internationaler Grosskonzerne bezahlen. Und das immer zugunsten einer kleinen Elite, die den Hals nicht vollbekommen kann.

Doch diesmal ist es anders. Beim Brexit bezahlen wir nicht für irgendwelche Banken, Grosskonzerne oder Kriegsparteien. Hier bezahlen wir für ein Zeichen, das der Souverän gesetzt hat. Ein Zeichen gegen die Ignoranz der Obrigen. Dieses Zeichen gilt es nun richtig zu deuten: Der Bevölkerung zeigt der Brexit, dass es durchaus möglich ist, Nein zur Personenfreizügigkeit, Nein zu TTIP-Verhandlungen und nötigenfalls auch Nein zur ganzen EU zu sagen. Und den Entscheidungsträgern in Brüssel wird gezeigt, dass die Bevölkerung durchaus gewillt ist, das auch zu tun, wenn’s denn sein muss.

Dafür bezahle ich gerne. Denn im Gegensatz zu all den anderen Krisen bezahlen wir hier zur Stärkung der Basis-Demokratie, wo sonst jeweils für die Stärkung der Krisen-Profiteure bezahlt wurde. Die Europäische Union hat in der Vergangenheit immer stärker an der Bevölkerung vorbeiregiert und in erster Linie einer Plutokratie in die Hände gespielt. Durch den Brexit wurde klar, dass es so nicht weitergehen kann und ein Umdenken stattfinden muss.

Natürlich gibt es auch Leidtragende. Die Schotten beispielsweise, die nur ungern auf die Unterstützung ihrer ärmeren Gebiete durch die EU verzichten möchten. Man sollte dies aber als Chance sehen, ein zweites Mal gegen London zu stürmen. Würde sich Schottland diesmal für eine Abspaltung entscheiden, wäre die Europäische Union bestimmt die letzte Partei, die etwas dagegen hätte, Grossbritannien unter dem EU-Vertrag mit dem Radiergummi zu entfernen und stattdessen Schottland drunter zu setzen.

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